Windows Server Standard oder Datacenter: was der Aufpreis bringt
Der Aufpreis auf Datacenter kauft dir fast keine Funktionen, sondern Virtualisierungsrechte. Wann sich das rechnet, welche zwei Zusatzfunktionen wirklich exklusiv sind, und der Denkfehler bei dem Wort unbegrenzt.
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Kurze Antwort: Standard und Datacenter sind funktional fast identisch. Der entscheidende Unterschied liegt in den Virtualisierungsrechten: Standard erlaubt zwei virtuelle Instanzen je Lizenz, Datacenter eine unbegrenzte Zahl auf der lizenzierten Hardware. Wer höchstens zwei virtuelle Maschinen betreibt, fährt mit Standard günstiger.
Was beide Editionen können
Active Directory, Dateidienste, Druckdienste, DNS, DHCP, Hyper-V, IIS: Das alles steckt in beiden Editionen. Wer einen klassischen Datei-, Druck- oder Anwendungsserver betreibt, findet in Datacenter keine einzige Funktion, die im Alltag fehlen würde.
Das ist wichtig zu wissen, weil der Preisunterschied sonst schwer nachvollziehbar wirkt. Du zahlst bei Datacenter nicht für mehr Funktionen, sondern fast ausschließlich für Virtualisierungsrechte.
Der eigentliche Unterschied
Eine Standard-Lizenz deckt zwei virtuelle Instanzen von Windows Server auf der lizenzierten Hardware ab. Brauchst du eine dritte, musst du den Server ein zweites Mal vollständig lizenzieren. Danach hast du vier. Und so weiter, immer in Zweierschritten.
Datacenter deckt eine unbegrenzte Zahl virtueller Instanzen auf derselben Hardware ab. Einmal lizenziert, beliebig viele virtuelle Maschinen.
Daraus folgt eine simple Entscheidungsregel: Es gibt einen Punkt, ab dem die wiederholte Standard-Lizenzierung teurer wird als eine einzelne Datacenter-Lizenz. Wo dieser Punkt liegt, hängt vom aktuellen Preisverhältnis ab. Rechne beide Wege für deine geplante Zahl an virtuellen Maschinen einmal durch, bevor du bestellst.
„Uns wurde Datacenter empfohlen, obwohl wir gerade mal zwei virtuelle Server betreiben - erst eine zweite Meinung hat uns davor bewahrt, unnötig draufzuzahlen." Ein IT-Verantwortlicher beschreibt, wie er den Virtualisierungsbedarf realistisch durchrechnete, bevor er sich für die deutlich günstigere Standard-Edition entschied.
Zwei Zusatzfunktionen, die nur Datacenter hat
- Storage Spaces Direct. Bündelt lokale Datenträger mehrerer Server zu einem gemeinsamen, ausfallsicheren Speicher. Relevant für Cluster, irrelevant für Einzelserver.
- Software Defined Networking. Netzwerkinfrastruktur per Software definieren und verwalten. Ein Rechenzentrumsthema.
Beide Funktionen sind in kleinen und mittleren Umgebungen praktisch nie ein Kaufgrund. Wenn dir jemand Datacenter mit diesen beiden Argumenten verkaufen will, obwohl du drei virtuelle Maschinen betreibst, ist Vorsicht angebracht.
Was in beiden Fällen gleich bleibt
Zwei Dinge ändern sich durch die Editionswahl nicht:
- Beide Editionen decken 16 Kerne ab. Hat dein Server mehr, kommen in beiden Fällen Kernpakete dazu.
- Beide brauchen Zugriffslizenzen. Es gibt keine Edition, die CALs überflüssig macht.
Gerade der zweite Punkt führt regelmäßig zu Fehllizenzierungen, weil Datacenter durch das Wort „unbegrenzt“ den Eindruck erweckt, damit sei alles abgedeckt. Unbegrenzt bezieht sich ausschließlich auf virtuelle Instanzen, nicht auf Zugriffe.
So entscheidest du in zwei Minuten
- Zähle die virtuellen Maschinen, die auf dem Host laufen sollen, heute und realistisch in zwei Jahren.
- Sind es höchstens zwei, nimm Standard.
- Sind es mehr, rechne beide Wege durch: Standard mehrfach gegen Datacenter einfach.
- Prüfe unabhängig davon die Kernzahl der Maschine.
Die verfügbaren Editionen findest du unter Windows Server. Die passenden Zugriffslizenzen rechnet dir der CAL-Konfigurator aus, alle Grundlagen stehen im Server-Ratgeber.