Ratgeber 15 Min. Lesezeit · 11.08.2026

Windows Server 2016 Supportende: die vier Wege im Kostenvergleich

Am 12. Januar 2027 endet der Support für Windows Server 2016. ESU, neue Hardware, In-Place-Upgrade oder Azure: der ehrliche Kostenvergleich mit Zahlen, Stand September 2026.

Windows Server 2016 Supportende am 12. Januar 2027, Grafik mit Serverrack-Symbolik
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    Die kurze Antwort: Am 12. Januar 2027 endet der erweiterte Support für Windows Server 2016. Danach gibt es keine Sicherheitsupdates mehr, außer man kauft Extended Security Updates dazu. Es gibt vier Wege: ESU kaufen, neue Hardware mit Server 2025, In-Place-Upgrade auf vorhandener Hardware oder Migration nach Azure. Für einen typischen Mittelständler mit einem physischen Server und 25 Mitarbeitern liegen die Fünfjahreskosten zwischen rund 2.300 Euro und rund 22.000 Euro, je nach Weg. Der günstigste Weg ist nicht der, den die meisten Ratgeber empfehlen.

    Vier Monate, und ein Hardwaremarkt im Ausnahmezustand

    Wenn Sie das hier im September 2026 lesen, haben Sie noch etwa 17 Wochen. Klingt nach viel. Ist es nicht, denn dazwischen liegen das Jahresendgeschäft und, das ist neu, ein Beschaffungsmarkt für Serverhardware, der sich innerhalb eines Jahres komplett gedreht hat.

    Die Zahlen dazu sind nicht subtil. Die DRAM-Vertragspreise sind laut Marktbeobachtern im ersten Quartal 2026 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Servermemory traf es am härtesten, weil die drei Hersteller, die über 95 Prozent der globalen DRAM-Produktion kontrollieren, ihre Kapazitäten Richtung HBM für KI-Beschleuniger umgeleitet haben. Ein 64-GB-DDR5-RDIMM, das im dritten Quartal 2025 bei rund 255 Dollar im Vertrag lag, kostete ein Jahr später über 900 Dollar.

    Arbeitsspeicher macht bei einem typischen Server bis zu einem Viertel der Materialkosten aus, bei Virtualisierungshosts mit 256 oder 512 GB deutlich mehr. Wenn RAM sich vervierfacht, zieht das den ganzen Server mit. Dazu kommen Lieferzeiten: Was 2024 in zwei bis drei Wochen kam, braucht bei manchen Konfigurationen inzwischen acht bis zwölf Wochen, bei Intel-CPUs teilweise mehrere Monate.

    Das ist der eigentliche Grund, warum dieser Artikel anders rechnet als die üblichen Migrationsratgeber. Der Standardrat lautet seit Jahren "neuer Server, aktuelle Version, fertig". 2026 ist das ausgerechnet die teuerste aller Optionen.

    Was am 12. Januar 2027 wirklich passiert

    Erstmal nichts Dramatisches. Der Server bootet weiter, die Freigaben sind erreichbar, Active Directory macht seinen Job. Was aufhört, ist die monatliche Updateversorgung.

    Konkret bedeutet das:

    • Keine Sicherheitsupdates mehr. Auch nicht für kritische Lücken. Neu entdeckte Schwachstellen werden weiterhin öffentlich dokumentiert, nur eben nicht mehr gepatcht. Ihre Angriffsfläche wächst ab diesem Tag jeden Monat.
    • Kein technischer Support. Keine Supportfälle, keine Hotfixes, keine Dokumentationspflege.
    • Das gilt für alle Rollen. Nicht nur der Kernel. IIS, Active Directory, DNS, DHCP, Hyper-V, Druckdienste, alles was auf der Maschine läuft, bekommt nichts mehr.
    • Alle Editionen. Standard, Datacenter, Essentials, kein Unterschied.

    Der Mainstream-Support ist übrigens schon am 11. Januar 2022 ausgelaufen. Server 2016 lebt seit über vier Jahren im reinen Sicherheitsmodus.

    Der Punkt, den Geschäftsführer verstehen sollten: Cyberversicherer fragen in ihren Risikobögen inzwischen explizit nach Systemen ohne Herstellersupport. Wenn nach einem Vorfall im Protokoll steht, dass der verschlüsselte Fileserver seit 14 Monaten keine Patches mehr bekommen hat, ist das kein technisches Detail mehr, sondern ein Thema für die Schadensregulierung. Dazu kommt NIS-2, die den Einsatz von Systemen auf dem Stand der Technik verlangt.

    Die Falle, die in fast keinem Ratgeber steht

    Bevor wir rechnen, ein Punkt, der in praktisch jeder Migrationsplanung untergeht und regelmäßig vierstellige Beträge nachträglich aufschlägt.

    Windows-Server-CALs sind abwärtskompatibel, nicht aufwärtskompatibel.

    Eine 2025er-CAL darf auf einen Server 2016, 2019 und 2022 zugreifen. Eine 2016er-CAL darf nicht auf einen Server 2019, 2022 oder 2025 zugreifen. Ohne aktive Software Assurance gibt es keinen Weg nach oben.

    Das heißt in der Praxis: Wenn Sie Ihren Server 2016 auf 2025 heben, brauchen Sie für jeden Nutzer oder jedes Gerät eine neue Zugriffslizenz. Bei 25 Mitarbeitern sind das 25 CALs. Bei 60 sind es 60.

    CALs gehen nur nach unten Funktioniert CAL 2025 Server 2016 Neue CAL, alter Server: erlaubt. Deckt auch 2019, 2022 und 2025 ab. Funktioniert nicht CAL 2016 Server 2025 Alte CAL, neuer Server: nicht lizenziert. Ausnahme: aktive Software Assurance.
    Beim Upgrade auf eine neuere Serverversion müssen alle Zugriffslizenzen mitgezogen werden.

    Und weil die Rechnung sonst schiefgeht: Wer Remotedesktop nutzt, braucht zusätzlich RDS-CALs, nicht anstelle. Die kommen obendrauf. Das ist der Fehler, den in der Praxis fast jeder macht, und er wird bei jeder Versionserhöhung teurer, weil die RDS-CAL das teuerste Einzelteil im ganzen Lizenzstapel ist.

    Wer nur die Serverlizenz budgetiert, hat bei 25 Nutzern typischerweise die Hälfte der tatsächlichen Lizenzkosten vergessen.

    Weg 1: ESU kaufen und Zeit erkaufen

    Microsoft bietet für Server 2016 nach dem Stichtag Extended Security Updates an, drei Jahre lang, bis Januar 2030. Das ist die Notbremse, kein Plan.

    Wie ESU bei Servern funktioniert:

    Anders als bei Windows 10, wo ESU ein Festpreis pro Gerät ist (61 Dollar im ersten Jahr, dann Verdopplung auf 122 und 244), wird Server-ESU pro Kern abgerechnet, als Prozentsatz des jeweils aktuellen Windows-Server-Listenpreises. Dazu drei Details, die die Rechnung verhageln:

    • Kernminimum. Mindestens 8 Kerne pro Prozessor und 16 Kerne pro physischem Server. Bei virtuellen Maschinen mindestens 8 Kerne pro VM. Ihr kleiner 8-Kern-Server wird trotzdem für 16 Kerne abgerechnet.
    • Kumulativ. Wer erst im zweiten Jahr einsteigt, zahlt Jahr eins rückwirkend mit. Es gibt kein Überspringen.
    • Beweglicher Ziel. Der Prozentsatz bezieht sich auf den aktuellen Listenpreis, und der steigt. Mit Server 2025 hat Microsoft die Listenpreise gegenüber 2022 um rund 10 Prozent bei Standard und rund 20 Prozent bei Datacenter angehoben. Ihr Jahr-3-Preis ist nicht nur ein höherer Prozentsatz, sondern ein höherer Prozentsatz von einer höheren Zahl.

    Dazu kommt der operative Teil: ESU für On-Premises-Server wird über Azure Arc gebucht. Sie brauchen also eine Azure-Anbindung für Server, die Sie eigentlich lokal betreiben wollten. Und die erste Abrechnung enthält Back-Billing für alle Monate, in denen ESU noch nicht aktiviert war.

    Was ESU kostet: Microsoft hat für Server 2016 zum Redaktionsschluss keine offiziellen Preise veröffentlicht. Legt man das etablierte Modell zugrunde (75 Prozent des Listenpreises im ersten Jahr, dann steigend) und einen Listenpreis von rund 1.100 Euro netto für eine 16-Kern-Standardlizenz, landet man bei grob 3.000 bis 3.500 Euro über drei Jahre für einen einzelnen 16-Kern-Server. Diese Zahl ist eine Modellrechnung, keine Preisliste. Sobald Microsoft veröffentlicht, aktualisieren wir sie hier.

    Und danach? Danach haben Sie 3.300 Euro ausgegeben und betreiben immer noch Windows Server 2016, jetzt ohne jede Perspektive. ESU kauft Zeit, sonst nichts.

    Wann ESU trotzdem richtig ist: Wenn eine Branchensoftware nachweislich nur auf Server 2016 zertifiziert ist und der Hersteller ein Update für Q3 2027 angekündigt hat. Dann ist ESU für ein Jahr die vernünftige Brücke. In allen anderen Fällen zahlen Sie Miete für ein Haus, das abgerissen wird.

    Weg 2: Neue Hardware plus Windows Server 2025

    Der klassische Weg, und 2026 der teuerste. Nicht wegen der Lizenz, sondern wegen des Blechs.

    Was zusammenkommt:

    Position 2024 September 2026
    Server, 1 Sockel, 16 Kerne, 128 GB ca. 4.000 € ca. 5.500 bis 7.000 €
    Windows Server 2025 Standard, 16 Kerne (Liste) ca. 1.000 € ca. 1.100 €
    25 User-CALs 2025 (Liste) ca. 1.100 € ca. 1.250 €
    Migration und Einrichtung 2.000 bis 3.000 € 2.000 bis 3.500 €
    Gesamt ca. 8.100 € ca. 9.850 bis 12.850 €

    Sie zahlen also für dieselbe Aufgabe rund 25 bis 55 Prozent mehr als vor zwei Jahren, und das Delta steckt fast vollständig im Arbeitsspeicher.

    Wann dieser Weg trotzdem stimmt: Wenn die Hardware ohnehin fällig ist. Ein Server von 2016 oder 2017 ist bei Garantieablauf, Netzteilalter und Datenträgerverschleiß ein eigenes Risiko, unabhängig vom Betriebssystem. Wer die Kiste 2027 sowieso hätte tauschen müssen, kann die beiden Projekte zusammenlegen. Nur sollte die Entscheidung dann bewusst fallen und nicht, weil ein Ratgeber "neue Hardware" als Default nennt.

    Wenn Sie diesen Weg gehen: kaufen Sie jetzt, nicht im Dezember. Analysten erwarten keine nennenswerte neue DRAM-Kapazität vor Ende 2027. Die Angebotsgültigkeit bei Distributoren ist von 30 Tagen auf teils vier bis sieben Tage geschrumpft. Wer im November anfragt, verhandelt gegen eine Wand.

    Weg 3: In-Place-Upgrade auf der vorhandenen Hardware

    Der Weg, den die wenigsten Ratgeber ernsthaft durchrechnen, weil daran am wenigsten verdient wird.

    Was sich technisch geändert hat: Lange galt der Sprung von 2016 auf eine aktuelle Version als Stufenmodell über 2019 oder 2022. Seit Windows Server 2025 dokumentiert Microsoft ausdrücklich den direkten Pfad. Nicht geclusterte Systeme dürfen per Installationsmedium bis zu vier Versionen auf einmal überspringen, 2016 auf 2025 ist als unterstützte Quelle aufgeführt. Server 2016 auf 2019, auf 2022 und auf 2025 sind alle drei offiziell unterstützte In-Place-Pfade.

    Was das In-Place-Upgrade leistet: Es ersetzt die Betriebssystemdateien, während Rollen, Einstellungen, installierte Anwendungen und Daten erhalten bleiben. Ein Wochenendfenster reicht bei einem sauberen Fileserver oft aus.

    Was es nicht leistet: Es ist kein Allheilmittel. Feldberichte zur Erfolgsquote gehen weit auseinander. Ein deutscher Dienstleister berichtet von rund 250 begleiteten Terminalserver-Upgrades mit genau einem Fehlschlag, andere Quellen nennen für gemischte Bestände Erfolgsquoten um 60 Prozent. Der Unterschied liegt fast immer im Zustand der Ausgangsmaschine: Wer eine über zehn Jahre gewachsene Domänencontroller-Installation mit Legacy-Treibern hochzieht, hat andere Karten als jemand mit einem sauberen Applikationsserver.

    Die harten Ausschlusskriterien:

    • Failovercluster brauchen ein Cluster OS Rolling Upgrade, dort gilt weiterhin nur ein Versionsschritt auf einmal.
    • Ein Server 2016 mit SQL Server 2016 kann nicht direkt aktualisiert werden. Erst SQL auf eine kompatible Version heben, dann das Betriebssystem. SQL Server 2016 ist übrigens seit dem 14. Juli 2026 selbst aus dem Support.
    • Domänencontroller gehören in eine Side-by-Side-Migration, nicht in ein In-Place-Upgrade.
    • Prüfen Sie vorher jeden Softwarehersteller einzeln. Wenn Ihr ERP-Anbieter Server 2025 nicht freigegeben hat, ist Server 2025 keine Option, egal was Microsoft dokumentiert.

    Die Kostenseite: Hier wird es interessant. Die Hardware bleibt, die Dienstleistung ist ein Wochenende statt eines Projekts, und die Lizenzen können gebrauchte Volumenlizenzen sein. Der Handel damit ist innerhalb der EU zulässig, das hat der Europäische Gerichtshof im UsedSoft-Urteil (C-128/11) entschieden und der BGH mit I ZR 129/08 nachgezogen. Rechtlich ist das seit über einem Jahrzehnt geklärt.

    Serverkerne verkaufen wir im 2-Core-Paket, Zugriffslizenzen im 5er-Paket. Für unser Beispiel mit 25 Nutzern:

    Position Preis
    Windows Server 2022 Standard, 8 × 2-Core-Paket (= 16 Kerne), gebraucht 8 × 81,99 € = 655,92 €
    25 User-CALs 2022, gebraucht (5 × 5er-Paket) 5 × 119,95 € = 599,75 €
    Dienstleistung In-Place-Upgrade 800 bis 1.500 €
    Gesamt 2.056 bis 2.756 €

    Zum Vergleich: Das ist kaum mehr, als ESU allein über drei Jahre kostet, und Sie landen auf einem System mit Sicherheitsupdates bis 14. Oktober 2031.

    Weg 4: Migration nach Azure

    Der Weg, den Microsoft am liebsten hätte, und für manche Betriebe der richtige.

    Das eine echte Argument: Windows-Server-Instanzen, die in Azure laufen (Azure VM, Azure Local, Azure VMware Solution), bekommen ESU ohne Lizenzkosten. Wer ohnehin nicht rechtzeitig fertig wird, bekommt die Verlängerung dort geschenkt statt sie pro Kern zu bezahlen. Dazu kommt der Azure Hybrid Benefit, mit dem vorhandene Lizenzen mit Software Assurance angerechnet werden können.

    Das Gegenargument ist die Betriebsrechnung. Ein Dateiserver, der bei Ihnen im Keller steht und dessen Hardware abgeschrieben ist, kostet praktisch nichts außer Strom. Dieselbe Maschine als Azure-VM mit vergleichbarer Ausstattung, Speicher und Backup landet je nach Größe bei grob 3.000 bis 4.000 Euro pro Jahr, dauerhaft. Über fünf Jahre sind das leicht 20.000 Euro, plus die Migration selbst.

    Das kann sich rechnen, wenn Sie dafür einen Serverraum, eine USV, eine Klimatisierung und einen Wartungsvertrag loswerden. Für einen einzelnen Fileserver in einem 25-Personen-Betrieb rechnet es sich meistens nicht.

    Der Zwischenweg, den viele übersehen: Nicht der ganze Server muss mit. Wenn auf der Maschine nur Dateifreigaben, Druckdienste und ein Domänencontroller laufen, lassen sich die Dateifreigaben oft nach SharePoint oder OneDrive heben und die Identität nach Entra ID, ohne dass ein Server übrig bleibt. Dann ist das Supportende kein Migrations-, sondern ein Abschaltprojekt.

    Der Kostenvergleich auf einen Blick

    Annahmen: ein physischer Server, 16 Kerne, 25 Mitarbeiter mit User-CALs, Datei- und Domänendienste, Hardware Baujahr 2018 und technisch gesund, Betrachtungszeitraum fünf Jahre ab Januar 2027. Alle Beträge netto. ESU-Preise sind eine Modellrechnung, siehe Weg 1.

    Fünfjahreskosten im Vergleich 1 physischer Server, 16 Kerne, 25 Nutzer, Hardware Bj. 2018, netto 0 € 5.000 10.000 15.000 20.000 In-Place auf 2022 gebrauchte Lizenz 2.050 bis 2.750 € ESU, 3 Jahre Modellrechnung ca. 3.700 € Neue Hardware plus Server 2025 neu 9.850 bis 12.850 € Azure IaaS laufende Kosten 18.000 bis 23.000 € ESU-Preise für Server 2016 sind von Microsoft noch nicht veröffentlicht. Wert modelliert nach dem Vorgehen bei Server 2012.
    Nichtstun plus ESU kostet über drei Jahre mehr als das komplette Upgrade auf Server 2022.
    Weg Lizenzen Hardware Dienstleistung Summe 5 Jahre Läuft bis
    In-Place auf Server 2022 (gebraucht) 1.256 € 0 € 800 bis 1.500 € 2.056 bis 2.756 € 14.10.2031
    ESU für drei Jahre ca. 3.300 € (Modell) 0 € ca. 400 € (Arc) ca. 3.700 € 01/2030, danach nichts
    In-Place auf Server 2025 (gebraucht) 880 € plus 1.025 € CALs 0 € 800 bis 1.500 € ca. 2.700 bis 3.400 € 14.11.2034
    Neue Hardware plus Server 2025 (neu) ca. 2.350 € 5.500 bis 7.000 € 2.000 bis 3.500 € 9.850 bis 12.850 € 14.11.2034
    Azure IaaS enthalten enthalten ca. 3.000 € Migration ca. 18.000 bis 23.000 € laufend

    Die Reihenfolge überrascht viele: ESU, also die Option "wir machen erstmal nichts", ist teurer als das komplette Upgrade auf Server 2022 mit gebrauchten Lizenzen. Und am Ende der drei ESU-Jahre stehen Sie wieder am selben Punkt.

    Server 2022 oder Server 2025? Die Antwort ändert sich in vier Wochen

    Wenn Sie sich fürs Upgrade entschieden haben, kommt die zweite Frage. Und hier gibt es eine Information, die im September 2026 kaum jemand auf dem Schirm hat.

    Windows Server 2022 verlässt am 13. Oktober 2026 den Mainstream-Support. Microsoft hat dazu Ende Juli 2026 die 90-Tage-Erinnerung verschickt. Das Oktober-Update ist das letzte im Mainstream. Danach läuft 2022 fünf Jahre im reinen Sicherheitsmodus weiter, bis 14. Oktober 2031.

    Support-Ende im Vergleich Ende des erweiterten Supports je Windows-Server-Version heute Server 2016 12.01.2027 Server 2019 09.01.2029 Server 2022 14.10.2031 Server 2025 14.11.2034 2027 2029 2031 2033 2035
    Windows Server 2022 verlässt am 13.10.2026 den Mainstream-Support, erhält aber bis 14.10.2031 weiterhin Sicherheitsupdates ohne Aufpreis.

    Was das praktisch heißt:

    Server 2022 spricht für sich, wenn Ihre Branchensoftware für 2025 noch nicht freigegeben ist, die Hardware älter ist und Treiberkompatibilität ein Thema wird, oder das Budget knapp ist. Sie bekommen bis Oktober 2031 monatliche Sicherheitsupdates ohne Aufpreis, und das ist für einen Fileserver alles, was Sie brauchen. Der Preisunterschied zu 2025 ist bei gebrauchten Lizenzen erheblich: 81,99 € gegenüber 109,99 € je 2-Core-Paket, bei 16 Kernen also rund 224 € Unterschied.

    Server 2025 spricht für sich, wenn die Maschine länger als bis 2031 stehen soll, Sie Hotpatching ohne Neustart wollen, oder Sie ohnehin neue Hardware kaufen. Der Support läuft bis 14. November 2034. Bei einer Neuanschaffung wäre es unsinnig, sofort auf eine Version zu gehen, die schon aus dem Mainstream raus ist.

    Was kein Argument ist: "Neuer ist besser." Ein Zweigstellen-Fileserver, der 2029 sowieso getauscht wird, muss nicht auf 2025. Er muss auf irgendetwas Unterstütztes, und das ist Server 2022 bis 2031 vollständig.

    Was mir bei den Anfragen auffällt

    Bei uns landen seit dem Frühjahr regelmäßig Anfragen, die alle demselben Muster folgen: Jemand hat ein Angebot vom Systemhaus auf dem Tisch, findet die Zahl hoch und will wissen, ob es günstiger geht. Wenn ich mir die Angebote ansehe, sind sie meistens korrekt gerechnet. Sie beantworten nur eine andere Frage als die, die der Kunde eigentlich hat.

    Das Angebot beantwortet: "Was kostet die moderne Zielarchitektur?" Der Kunde fragt: "Was kostet es, dass dieser eine Server im Februar noch Updates bekommt?"

    Drei Dinge sehe ich dabei immer wieder.

    Erstens: Die CALs fehlen im Kopf. Fast jeder, der uns nach einer Serverlizenz fragt, hat nur die Serverlizenz im Blick. Die Frage "und wie viele Leute greifen darauf zu" führt regelmäßig zu einer Pause am Telefon. Wir haben deshalb einen CAL-Konfigurator auf die Hubseite gestellt, der aus drei Angaben die richtige Kombination rechnet, weil die Erklärung im Fließtext offenbar nicht reicht.

    Zweitens: Benutzer-CALs werden reflexartig gewählt, obwohl Geräte-CALs oft passen. Wer 20 Leute im Schichtbetrieb an sechs Rechnern hat, zahlt mit Benutzer-CALs mehr als das Dreifache. Umgekehrt gilt genauso: Wer im Büro Desktop und Notebook nutzt, ist mit Benutzer-CALs günstiger dran. Die Frage ist nicht, was üblicher ist, sondern welche Zahl kleiner ist.

    Drittens: Die Hardware wird mitgetauscht, ohne dass jemand nachgesehen hat, ob sie ausfällt. Ein 2018er Server mit gesunden Datenträgern, ausreichend RAM und aktueller Firmware hat 2026 keinen technischen Grund zu gehen. Der einzige Grund ist das Betriebssystem, und das lässt sich für einen Bruchteil lösen. Bei den aktuellen Speicherpreisen ist das der Unterschied zwischen 2.000 und 11.000 Euro.

    Der Fahrplan bis Januar

    Was Sie in den nächsten vier Monaten tun sollten, in dieser Reihenfolge:

    Sofort: Bestand aufnehmen. Welche Maschinen laufen auf Server 2016? Welche Rollen und welche Anwendungen liegen darauf? Wie viele Kerne hat jede physische Maschine wirklich? Wie viele Nutzer und wie viele Geräte greifen zu? Ohne diese vier Zahlen ist jede Kostenrechnung geraten.

    September: Herstellerfreigaben einholen. Fragen Sie jeden Softwarehersteller schriftlich, welche Windows-Server-Version freigegeben ist. Das ist der Schritt, der Projekte kippt, und er dauert bei manchen Anbietern Wochen.

    September: Hardware bewerten. SMART-Werte der Datenträger, Alter der Netzteile, Firmwarestand, Garantiestatus, RAM-Ausbau. Entscheidung: bleibt oder geht. Wenn sie geht, jetzt bestellen, nicht im November.

    Oktober: Zielversion und Lizenzen festlegen. Erst hier, nicht vorher. Und rechnen Sie die CALs mit.

    November: Testlauf. Snapshot oder Backup, Upgrade auf einer Kopie, Anwendungen durchklicken. Wer keinen Hypervisor hat, macht wenigstens ein vollständiges Bare-Metal-Backup und einen dokumentierten Rückweg.

    Dezember oder Januar: Umstellung. An einem Wochenende Ihrer Wahl, nicht am 11. Januar.

    Wer diesen Ablauf einhält, entscheidet in Ruhe und verhandelt ohne Druck. Wer im Dezember anfängt, zahlt ESU-Aufschläge oder migriert im Jahresendstress.

    Ein sauberer Startpunkt für den Umstieg ist unser Sortiment an Windows Server Lizenzen, dazu die passenden Zugriffslizenzen. Wer die Details zur Kernlizenzierung nachlesen will, findet sie im Server-Ratgeber.

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    Häufige Fragen

    Läuft mein Server 2016 nach dem 12. Januar 2027 einfach weiter?
    Ja. Er startet, die Dienste laufen, nichts schaltet sich ab. Was aufhört, sind Sicherheitsupdates. Der Betrieb wird nicht unmöglich, sondern unverantwortlich.
    Kann ich ESU auch später noch kaufen?
    Ja, aber kumulativ. Wer im zweiten Jahr einsteigt, zahlt das erste Jahr rückwirkend mit. Es gibt kein Überspringen und keine Teiljahre.
    Kann ich direkt von Server 2016 auf 2025 aktualisieren?
    Ja, per Installationsmedium und bei nicht geclusterten Systemen. Microsoft führt Server 2016 als unterstützte Quelle für Server 2025. Im Failovercluster gilt weiterhin das schrittweise Rolling Upgrade.
    Reichen meine vorhandenen Server-2016-CALs nach dem Upgrade?
    Nein. CALs sind abwärtskompatibel, nicht aufwärtskompatibel. Für einen Server 2019, 2022 oder 2025 brauchen Sie CALs der jeweiligen oder einer neueren Version, es sei denn, Sie haben aktive Software Assurance.
    Sind gebrauchte Serverlizenzen in Deutschland zulässig?
    Ja. Der Europäische Gerichtshof hat den Weiterverkauf von Softwarelizenzen innerhalb der EU im Verfahren UsedSoft gegen Oracle (C-128/11) bestätigt, der Bundesgerichtshof hat das in I ZR 129/08 umgesetzt. Voraussetzung ist eine lückenlose Rechtekette und dass der Voreigentümer die Lizenz nicht weiter nutzt.
    Was ist mit Windows 10 LTSC 2021?
    Dessen Support endet am selben Tag, dem 12. Januar 2027. Wenn Sie beides im Bestand haben, planen Sie es als ein Projekt.
    Und wenn ich gar nichts mache?
    Dann steigt Ihr Risiko jeden Monat, Ihre Cyberversicherung stellt im Schadensfall unangenehme Fragen, und die Migration wird nicht billiger, sondern teurer, weil Sie dann unter Zeitdruck entscheiden.

    Über den Autor

    Jens Krückel

    Jens Krückel verantwortet bei Firstsoft die Ratgeber-Inhalte rund um Microsoft-Lizenzen. Nach seinem Studium an der Frankfurt School of Finance & Management war er mehrere Jahre als Consultant bei Simon-Kucher & Partners tätig, unter anderem in der Pricing- und Vertriebsberatung für Softwareunternehmen. Seither hat er sich auf IT-Vertrieb und die Integration von Unternehmenssoftware spezialisiert. Sein Anspruch: Lizenzthemen verständlich erklären - ohne Fachchinesisch und ohne Marketing-Floskeln.